EU AI Act 7 min Lesezeit

EU AI Act: Was ändert sich für Arbeitnehmer und Unternehmen 2025/2026?

Der EU AI Act ist in Kraft — aber was bedeutet das konkret? Welche Systeme sind verboten, was sind Hochrisiko-Pflichten, und was müssen Arbeitnehmer wissen? Der praktische Überblick.

K
KOMPETAI Redaktion
·

Am 1. August 2024 trat der EU AI Act in Kraft — die weltweit erste umfassende KI-Regulierung. Was zunächst abstrakt klingt, hat handfeste Konsequenzen für Unternehmen und Arbeitnehmer in Deutschland. Hier ist, was du wirklich wissen musst.

Die Zeitlinie: Was gilt wann?

Der EU AI Act wird schrittweise umgesetzt:

Februar 2025 — Verbotene KI-Praktiken müssen eingestellt sein

  • Social Scoring-Systeme verboten
  • Manipulative KI (die Nutzer unbewusst beeinflusst) verboten
  • Echtzeit-Biometrie zur Strafverfolgung in öffentlichen Räumen (mit engen Ausnahmen) verboten

August 2025 — GPAI-Modelle unter Regulierung

  • General-Purpose AI Modelle (wie GPT-4, Claude) unterliegen Transparenzpflichten
  • Systeme mit “systemischem Risiko” (sehr große Modelle) haben verschärfte Auflagen

August 2026 — Hochrisiko-Pflichten vollständig in Kraft

  • Alle Hochrisiko-KI-Systeme müssen konform sein
  • Umfangreiche Dokumentations-, Aufsichts- und Registrierungspflichten

Was ist verboten? (Art. 5 EU AI Act)

Diese KI-Praktiken sind in der EU seit Februar 2025 verboten:

  1. Manipulative KI: Systeme, die Menschen durch unbewusste Techniken manipulieren und ihnen schaden
  2. Ausnutzen von Schwächen: KI, die gezielt Vulnerabilitäten von Kindern, Älteren oder Menschen mit Behinderungen ausnutzt
  3. Social Scoring: Bewertung von Menschen durch staatliche Stellen aufgrund ihres sozialen Verhaltens
  4. Biometrische Echtzeit-Überwachung in öffentlichen Räumen (durch Strafverfolgungsbehörden, mit engen Ausnahmen)
  5. Vorhersage von Straftaten basierend auf Persönlichkeitsmerkmalen

Was bedeutet das praktisch? Die meisten Unternehmens-KI-Systeme sind davon nicht betroffen. HR-Tools und Recommendation-Engines sind keine verbotenen Systeme — sie fallen aber möglicherweise unter Hochrisiko (s.u.).

Hochrisiko-KI: Wer ist betroffen?

Das ist das Herzstück des EU AI Act. Hochrisiko-KI (Anhang III) umfasst Systeme in diesen Bereichen:

  • HR und Recruiting: Algorithmen für Bewerberauswahl, -bewertung und -kategorisierung
  • Bildung: Systeme zur Beurteilung von Schülern oder zur Entscheidung über Bildungszugang
  • Kredite und Versicherungen: Automatisierte Kreditwürdigkeitsprüfungen
  • Strafverfolgung: Risikoeinschätzung von Personen
  • Kritische Infrastruktur: KI in Energie, Wasser, Verkehr
  • Medizinprodukte: KI-gestützte Diagnose-Tools
  • Öffentliche Verwaltung: Entscheidungen über Leistungen, Einbürgerung, Steuern

Pflichten für Hochrisiko-KI

Wenn dein Unternehmen ein Hochrisiko-System betreibt oder einsetzt:

  1. Risikomanagement-System — Durchgehende Risikoidentifikation und -minderung
  2. Datensatz-Governance — Trainingsdaten müssen relevant, repräsentativ und fehlerfrei sein
  3. Technische Dokumentation — Vollständige Beschreibung des Systems vor Markteinführung
  4. Protokollierung — Automatisches Logging für Nachvollziehbarkeit
  5. Transparenz — Benutzer müssen informiert werden
  6. Menschliche Aufsicht — Menschen müssen das System überwachen und eingreifen können
  7. Genauigkeit und Robustheit — Technische Mindestanforderungen
  8. Konformitätsbewertung — Je nach System: Selbstbewertung oder externe Prüfung
  9. EU-Datenbank-Registrierung — Hochrisiko-Systeme müssen registriert werden

Was müssen Arbeitnehmer wissen?

Wenn du mit KI-Tools arbeitest

Viele Standard-Tools sind nicht betroffen. Excel mit KI-Funktionen, Copilot für Office oder ein KI-Chatbot für den Kundenservice sind in der Regel keine Hochrisiko-Systeme.

Aber: Wenn dein Unternehmen KI für Personalentscheidungen, Leistungsbewertung oder ähnliche HR-Funktionen einsetzt, hast du als Arbeitnehmer Rechte:

  • Das Recht auf Information, dass eine automatisierte Entscheidung getroffen wird
  • Das Recht auf menschliche Überprüfung
  • Das Recht auf Erklärung der Entscheidungslogik (begrenzt)

Wenn du selbst KI entwickelst oder beschaffst

Als Entwickler oder Einkäufer trägst du Mitverantwortung. Du solltest:

  • Wissen, in welche Risikokategorie das System fällt
  • Die Anforderungen für die jeweilige Kategorie kennen
  • Dokumentation und Compliance von Anfang an mitdenken

Bußgelder: Was droht bei Verstößen?

Die EU AI Act-Bußgelder sind erheblich:

  • Verbotene Systeme: Bis zu 35 Mio. € oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes
  • Hochrisiko-Verstöße: Bis zu 15 Mio. € oder 3%
  • Falsche Informationen an Behörden: Bis zu 7,5 Mio. € oder 1%

Für KMU und Startups gelten angepasste (niedrigere) Höchstgrenzen.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

  1. KI-Inventar erstellen: Welche KI-Systeme werden eingesetzt? Entwickelt oder nur genutzt?
  2. Risikokategorisierung: Für jedes System prüfen: Fällt es unter Hochrisiko?
  3. Gap-Analyse: Was fehlt in Bezug auf Dokumentation, Monitoring, Governance?
  4. Team schulen: HR, IT, Compliance, Management — alle müssen die Basics kennen
  5. Externer Support: Für komplexe Systeme rechtliche und technische Beratung einholen

Wie KOMPETAI hilft

Unser 1-tägiger EU AI Act — Compliance & Umsetzung Kurs vermittelt:

  • Die vollständige Systematik des AI Act
  • Hands-on: Eigene Systeme klassifizieren
  • Dokumentations-Templates
  • Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen
  • Q&A mit dem Trainer

AVGS-förderfähig — für Arbeitssuchende kostenlos. Mehr erfahren

#EU AI Act #Compliance #Hochrisiko-KI #Regulierung #Unternehmen #Arbeitnehmer

Bereit für den nächsten Schritt?

Kostenloses Beratungsgespräch zu Kursen und Förderung — persönlich, unverbindlich.

Jetzt kostenlos beraten lassen